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Der Schweizer Psychiater Hermann Rorschach trat die Stelle als Oberarzt in der Heil- und Pflegeanstalt Herisau 1915 an. Reich an theoretischen und praktischen Erfahrungen, nahm er da seine in der thurgauischen Irrenanst alt Münsterlingen begonnenen Versuche mit Tintenklecksen wieder auf. |
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Die russische Ärztin Olga Stempelin kam 1915 mit dem Stellenantritt ihres Ehemannes Hermann Rorschach ins Appenzellerland. Nach Studien in Berlin und Zürich und nach Anstellungen in Russland und in der Thurgauischen Irrenanstalt Münsterlingen wurde ihr die Ausübung der ärztlichen Tätigkeit in Herisau verboten. |
| Pflegepersonal und psychisch kranken Menschen zeigte er zehn schwarzweisse und farbige Tafeln. Er stellte die Frage: "Was könnte das sein?" und bat die Testpersonen, frei zu assoziieren. Er protokollierte die Antworten minutiös. Ihn interessierten speziell die Angaben zu Farbe, Form, Bewegung, Details oder Ganzdeutung. Die Interpretation der mehrdeutigen Kleckse war für ihn von ganz bestimmten Persönlichkeitsmerkmalen abhängig. Dieses projektive Testverfahren erschien 1921 unter dem Titel "Psychodiagnostik - Methodik und Ergebnisse eines wahrnehmungsdiagnostischen Experiments" im Ernst Bircher Verlag in Bern. Nur acht Monate nach Drucklegung des Werkes starb der Arzt und Forscher völlig unerwartet an den Folgen einer Blinddarmentzündung. Das unter seinem Namen weiterentwickelte Testverfahren schrieb dagegen Weltgeschichte. |
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Die Ausserrhodische Regierung befürchtete die erneute Einforderung einer dritten Arztstelle in der personell eng besetzten Institution. Mit der Geburt von Elisabeth (1917-2006) und Wadim (*1919) war Olga Rorschach in den folgenden Jahren vor allem Hausfrau und Mutter. Nach dem Tode Hermann Rorschachs durfte sie für zwei Jahre interimistisch dessen Stelle übernehmen. 1924 zog die Familie nach Teufen, wo Olga Rorschach eine kleine Pension für Nervenkranke eröffnete. Die Patientinnen und Patienten wurden ihr mehrheitlich von Dr. med. Ludwig Binswanger (1881-1966) aus dem Nobelsanatorium Bellevue in Kreuzlingen zugewiesen. Zusätzlich hielt sich die Ärztin mit Stellvertretungen über Wasser. Zeitlebens litt sie unter finanziell engen Verhältnissen, an Einsamkeit und an der ländlichen Abgeschiedenheit. Der Siegeszug des Rorschach-Testes ging sozusagen an ihr vorbei. |
(aus "Optimierung und Erneuerung des Psychiatrischen Zentrums Appenzell Ausserrhoden") |
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